Henrik Freischlader – Spaß am Blues

Henrik Freischlader (links) und seine Jungs Alex und "Grabi" freuen sich auf die Tour (Foto: Timo Wilke)
Henrik Freischlader (links) und seine Jungs Alex und "Grabi" freuen sich auf die Tour (Foto: Timo Wilke)

Henrik Freischlader ist wieder da! Bluesfeeling.com sprach mit dem kreativen Kopf, über seine Auszeit, seine  Inspirationen, seine frischen Ideen und Inhalte der neuen CD und vor allem über sein neues Trio:

 

Hallo Henrik, es ist nun einige Zeit vergangen seit der Erdbebenmeldung vom Mai 2014 auf bluesfeeling, dass die Henrik Freischlader Band sich auflöst und der Bandleader eine Auszeit nehmen möchte. Wie fühlt es sich an, nun wieder zurück zu sein?

 

Es fühlt sich total gut an. Aber die Pause hat sich auch gut angefühlt. Und auch die Entscheidung, sie mir zu geben. Ich glaube, das muss manchmal einfach sein, wenn man etwas aus Leidenschaft tut. Wenn man Musik liebt,  muss man manchmal in sich hineinhorchen, um zu schauen, was der nächste Schritt sein könnte oder was man gerne machen möchte. Es darf nicht zur puren Routine werden – ich glaube, das würden dann auch die Leute merken, wenn man etwas nur „runterspielt“. Und das wollte ich gerne vermeiden. Aber jetzt bin ich absolut fit und freue mich sehr auf die Tour, auf das Album, mit den Jungs unterwegs zu sein und wieder live zu spielen.

 

Jaa, das freut uns auch total, weil Deine Musik einfach klasse ist. Wie hast Du denn in Deiner Auszeit „Luft geholt“? Wie hast Du denn neue Kreativität gewinnen können?

 

Nun ja, so eine richtige Auszeit war das gar nicht. Ich war viel im Studio, ich hatte noch ein Album versprochen für eine schottische Sängerin namens Joanne Kasner. Hierfür war ich bei Martin Meinschäfer im Studio, um das Album aufzunehmen und zu produzieren. Jetzt sind wir schon ganz schön weit und können dieses Album auch bald auf Cable Car Records veröffentlichen. Ansonsten habe ich Dinge für mich gemacht. Zum Beispiel wieder mehr Gitarre gespielt, weil das zu kurz kommt, wenn man viel im Studio und auf Tour ist. Da spielt man nur Gitarre, wenn man sie spielen „muss“.  Aber es war schön Zuhause die Gitarre in die Hand zu nehmen, herumzuprobieren. Das war früher  mein Ding als ich noch nicht so viel mit Bühne zu tun hatte. Für so etwas war die Pause optimal, einen Hauch mehr Zeit zu haben und freier entscheiden zu können.

 

Wir hatten schon berichtet, dass Du nun mit einem Trio am Start bist. Es gab da ja schon diverse „Supports“ für die Tedeschi Trucks Band Ende vergangenen Jahres, etwa im Circus Krone. Wie kam es denn zur Gründung des Trios – und wo kommen die Jungs her?

 

Die Jungs sind Alex Grube, der Bassist. Der kommt aus Hamburg, ist ein gefragter Studiomusiker und hat ultraviele Projekte. Nicht unbedingt Blues in erster Linie, sondern eigentlich alles Mögliche. Carl-Michael Grabinger, unser Drummer, ist ein sehr guter Freund von Alex, spielt auch in vielen Bands und ist auch für Studiojobs sehr gefragt. Na ja, eigentlich war das eine eher zufällige Gründung. Alex hatte für meinen alten Bassisten Theofilos Fotiadis ab und zu ein paar Gigs gespielt, an denen dieser nicht konnte. Dabei hatten wir uns gut verstanden – sowohl musikalisch als auch menschlich – dann ging erst mal etwas Zeit ins Land. Irgendwann, als meine Pause weiter fortgeschritten war, wollten wir uns einfach mal zum Jammen treffen. Dabei hatte Alex auch „Grabi“ mitgebracht. Beim Jammen war dann relativ schnell klar, dass man mehr daraus machen müsste, weil es einfach riesengroßen Spaß gemacht hat. Das ist genau das, was mir wichtig beim Musikmachen ist.

 

…genau, Spaß sollte Musik machen…

 

…richtig! Die Leute merken schnell, ob man Spaß hat und etwas mit Leidenschaft macht. Und dass man es in erster Linie auch für sich selbst macht. Die Menschen wollen eigentlich eher gerne zuschauen bei etwas,  was man selbst gerne macht! Erst dann ist es authentisch.

 

Jetzt geht es im April mit der Tour auf den Rother Bluestagen am 02. April los – quasi 2 Jahre nach der „Erdbebenmeldung“ bist du dann also wieder am Start. Gibt es nach den Terminen im April noch weitere Tourdates?

 

Jaaa, es kommen noch viele Festivals im Sommer. Die bestätigten kündigen wir auf unserer Homepage gerade nach und nach an. Das Booking geht aber auch weiter, weil noch Anfragen hereinkommen, d.h. es werden noch fleißig Konzerte gebucht. Und im Herbst werden wir dann auch auf eine etwas längere Tour gehen und bei jedem der Fans einmal „in Haustürnähe“ vorbeischauen.

 

Das bedeutet auch angrenzendes Ausland, Benelux, Schweiz, Österreich?

 

Ganz genau. Länder in denen wir auch bisher schon gespielt haben, aber vor allem auch in England, wo wir auch viele Auftritte hatten. Es stehen aber auch noch ganz neue Länder auf dem Programm, gerade auch für den Sommer. Wir wollen gerne alles spielen, was wir spielen können und überall mal vorbeischauen.

 

…na klar, wenn der Spaß wieder da ist, dann ist das natürlich zu verstehen…

 

Nun, der Spaß war eigentlich nie weg mit meiner alten Band. Das sind nach wie vor gute Kumpels und ich liebe die Band auch rückwirkend. Ich wollte nur mich selbst etwas davor bewahren, dass es zu routiniert wird. Und ab und zu muss man halt auch mal etwas Neues machen – und genau das passiert!

 

Du warst aber auch ansonsten nicht untätig, wenn ich mir mal die neueste CD von Ben Poole ansehe, da taucht der Name Henrik Freischlader auf…

 

Genau, da spiele ich einen Song mit, die CD kommt am 01. April heraus. Und wir spielen ja sogar mit Ben Poole unseren allerersten Gig auf den Rother Bluestagen. Es wird also ein sehr familiärer Abend, würde ich sagen.

 

In der Vergangenheit hatte ich zudem – nicht gerade in meiner Auszeit – für Tommy Schneller und drei Alben für Layla Zoe produziert. Dann arbeite ich noch mit einer sehr talentierten Dame aus Italien, Linda Sutti, im Studio. Und ganz aktuell für die Dame aus Schottland, Joanne Kasner. Last but not least muss ich unser eigenes Album jetzt etwas „ankurbeln“.

 

Das ist das Stichwort: Was kannst du zu Deiner/eurer neuen CD sagen? Wie lautet der Titel?

 

Das Album heißt „Openness“. Es sind 12 Nummern darauf. Es gibt ein paar Walknummern, dann eine kleine Gruppe von Songs die eher „Oldschool“-Blues sind. Mit wenig Akkorden, wenigen Licks, sondern eher minimalistisch und auf Groove gesetzt. So dass jedes Instrument am richtigen Platz das Richtige spielt. Ich liebe ja auch die alten Trios – Jimi Hendrix Experience, Stevie Ray Vaughan & Double Trouble, Cream. Das sind da so meine Lieblinge, mit denen ich groß geworden bin. Das ist im Trio in der Tat schön, dass jedes Instrument ausreichend Platz hat!

 

Also ein schöner Mix auf der CD…?

 

Richtig, also nicht nur Old-School oder nur Rock. Oder nur Blues. Es ist das, was gerade in uns allen so musikalisch vorgeht.

 

Und wie ist das Songwriting für das neue Album von statten gegangen? Welche Cover gibt es?

 

Also auf dem Album gibt es überhaupt keine Coverstücke, wie auch auf meinen bisherigen Studioalben. Aber vielleicht nehmen wir für die Konzerte noch das eine oder andere Cover mit herein, auch wenn wir noch nicht wissen welches. Das überlegen wir gerade noch. Ich habe hier im Sauerland ein kleines Räumchen für meine Demos, die – was mir mein Freund Martin Meinschäfer gezeigt hat -  mit dem Mischpult selber aufgenommen werden. Das war für mich bislang ein unlösbares Problem, da ich mich nicht so gut auskenne mit Technik. In meiner Pause habe ich ein paar Demos eingespielt, die ich dann einfach mal an die Jungs geschickt habe. Im Studio haben wir dann noch so einiges gemacht, gemeinsam an den Songs gefeilt. Ich selbst habe gar kein Studio, wir waren erst einmal in Hamburg im Cloudshill-Studio. Und dann habe ich noch ein paar Gitarren und die kompletten Vocals bei Martin Meinschäfer in den Megaphon Tonstudios in Neheim im Sauerland aufgenommen. Das ganze wird nun im Hafenklang Studio in Hamburg von Marc Schettler gemischt und gemastert.  

 

Zum ersten Mal haben wir uns persönlich 2008 beim Gary Moore-Konzert im Kölner E-Werk in der ersten Reihe getroffen. Wie sieht das heute aus: Ist das ein Künstler, der dich heute noch inspiriert. Und wer sind die Künstler die Dich heute kreativ nach vorne bringen?

 

Zu Gary Moore muss ich sagen: Das ist mein größter Einfluss, mein absoluter Gitarrenheld und der Grund warum ich überhaupt Gitarre spiele. Er ist derjenige, der mich über seine Alben zum Blues gebracht hat. Und den ich heute jeden Tag vermisse. Es ist ein ganz anderes Leben seitdem der liebe Gary im Himmel ist. Ich schaue eigentlich jeden Tag mal kurz hoch und bedanke mich für alles, was er mir gegeben hat. Er ist nach wie vor meine größte Inspiration und der Künstler, den ich am liebsten höre – er fehlt mir schon richtig! Es war immer schön zu merken, dass bei ihm was abgeht und etwas Neues kommt, wenn ich auf seiner Homepage gestöbert habe oder bei Konzerten war. Er hat mich unheimlich angetrieben bei dem, was ich selber mache.

 

…5 Jahre. Rest in peace, Gary!!!

 

…jaaa, ansonsten höre ich eigentlich ständig ultraviel Musik aus allen möglichen Bereichen. Dinge, die mich inspirieren sind natürlich eher blueslastig. Auch Oldschool-Blues, hier höre ich gerade Bobby Blue Blend, die Andrew Sisters, aber auch D’angelo, Ella Fitzgerald, Luis Armstrong, The Fugees. Ich höre gerne ab und zu Hip Hop, weil ich die Grooves und das Timing mag. Ich bin offen für alles. Ich höre sehr gerne Helge Schneider, wenn ich aufräume oder von null auf hundert gut drauf kommen möchte (lacht)

 

Ich höre insgesamt gerne handgemachte Musik, die groovt und die einen guten Vibe ausstrahlt. Die Andrew Sisters zum Beispiel strahlen den „Vibe der Zeit“ aus.

 

Authentisch…

 

…genau. Wenn man sich einmal vorstellt, dass die Leute früher im Studio one-take-mäßig so eine Nummer aufgenommen haben. Wo es mehrstimmig ist, wo Bläser und Streicher spielen, wo alle zur gleichen Zeit spielen. Dann ist das schon sehr beeindruckend, wie qualitativ hochwertig diese Musik von früher einfach ist. Und was da für ein Feeling herüberkommt!

 

Ist daher für Dich ein Live-Recording spannender als eine normale Studioproduktion?

 

Das kommt darauf an: mit einer Studioproduktion kann man natürlich mehr Zeit verbringen und Ideen, die man auch langfristig hat, dort festhalten. Beim Live-Konzert ist es eher so, dass man intuitiv diesen oder jenen Ton spielt. Und dann ist es auch schon vorbei und man spielt den nächsten Ton. Bei einer Studioproduktion kann man natürlich alles mehr steuern. Aber beides ist kreativ!

 

Wie sind denn die neuen Songs eigentlich entstanden?

 

Abends im Bett – sehr beliebt auf jeden Fall. Dann gehe ich ab und zu schwimmen. Das ist vom Ablauf immer das gleiche, man zieht seine Bahnen. Und dabei sind mir sehr viele Ideen gekommen, weil ich einfach nix anderes zu tun hatte im Kopf. (lacht) Aber auch beim Autofahren kommen einige Ideen, aber generell eigentlich überall. Wenn man eine Idee hat, muss man diese schnell festhalten. Ich nehme das dann mit dem Handy auf und schaue dann später im Proberaum, ob das umsetzbar ist mit Bass, Gitarre und Schlagzeug. Und dann verselbständigt sich so manches.

 

Wohnst du denn eigentlich noch in Wuppertal?

 

Nein, mittlerweile wohne ich im Sauerland. Mein zweites Zuhause ist ja das Megaphon Tonstudio von Martin Meinschäfer. Irgendwann waren mir die Autofahrten dorthin zu lang und man kam gestresst im Studio an. Deswegen wohne ich jetzt in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Studio in Arnsberg. Schöne Seen, schöne Hügel,  schöne Landschaft – gut für die Seele. Ich fühle mich wohl hier!

 

Henrik, alles Gute! Die Bluesgemeinde freut sich total auf Deine Tour… und danke für das tolle Gespräch!!!