Finnisches Blues-Doppel mit Frauen-Power: Erja und Ina

Heute einmal ein Livebericht von einem außergewöhnlichen Konzert der zwei finnischen Blues-Ladies Ina Forsman und Erja Lyytinen (erste Fotos) am 25.02.2018 in der Harmonie Bonn:

 

Als Ina Forsman mit ihren drei Musikern auf die Bühne kam, war die Harmonie Bonn nur halb gefüllt, und ich dachte, „ohhh... haben auch die Bonner keine Ahnung von guter Musik..." – Das änderte sich im Laufe des Auftritts von Ina jedoch und als Erja spielte, war der Saal gut gefüllt. Verwundert war ich dann nur über den recht hohen Altersdurchschnitt der Zuhörer. Im Gegenteil dazu war der Altersdurchschnitt der Musiker auf der Bühne sehr niedrig. Drummer, Bassmann, Keyborder und Ina Forsman sind alle erst um die 25 Jahre jung...

Ina Forsman betrat die Bühne mit hohen Plüsch-Stilettos und ihr Look war von Glitzer und Glamour geprägt. Als ich das sah, war ich sehr skeptisch, ob mir ihre Musik gefallen würde, aber dann.... der erste Ton Ihres Gesangs blies mich fast um. So eine kraftvolle und mitreißende Stimme, wow! Ihre Lieder bewegen sich eher im ruhigen Bereich, eher jazzlastig, aber sehr melodisch. Ihre Anmoderationen der Lieder sprachen immer wieder von Liebeskummer und wie sie damit fertig wurde...und das in so jungen Jahren...

 

Die Band: Drummer Jaakko Pöyhönen, Bassman Tatu Back und Keyborder Kasperi Kallio sehr jung, aber super gefühlvoll. Insbesondere der Keyborder unterstützte Ina mit seinem virtuosen Pianosound sehr passend. Resümee: ich würde gerne weitere Auftritte sehen.

 

Nach kurzer Pause betraten die gleichen Musiker, wie bei Ina die Bühne. Das verwunderte mich, da ich mich doch auf Erja mit der mir bekannten Band aus einem ihrer Auftritte im Topos/Leverkusen freute... naja, Erja – die hübsche Powerfrau – hatte dann mit den ersten Tönen eine derartige Präsenz auf der Bühne, dass ich diese kleine Enttäuschung schnell vergaß. Mit dem zweiten Song war der Saal bereits am Kochen und Erja hatte mit ihrer einzigartigen Art des Gitarrenspiels das Publikum in Ihren Bann gezogen!

 

Das überwiegend männliche Publikum schien den etwas rockigeren Bluessound und die Slidegitarre von Erja zu lieben! Sie kokettiert in Songs wie „I´m a woman“ mit dem Publikum und begeistert im musikalischen Dialog mit ihren Musikern, zum Beispiel ein „Gespräch“ zwischen der tollen Hammondorgel und ihrer E-Gitarre... Die junge Band lieferte ein sehr professionelles Konzert ab. Ein Hingucker war immer wieder die Mimik des Drummers, der mit vollem Einsatz sein Instrument beherrschte.

 

Insgesamt eine super Backline zusammen mit dem virtuosen, aber ruhigen Bassmann. Hervorragende Arbeit vom Keyborder, der den Hammondsound gut in die Stücke einbrachte. Songs wie „Black Ocean“ oder „Stolen Hearts“ kennt das Publikum schon und sang Passagen mit. Und Erja ist einfach eine –mit Verlaub – Rampensau, die ihre Stimme und ihre Instrumente beherrscht. Alleine zuzusehen, wie sie mit zwei (!) Floorboards, den Gitarren, dem Publikum und den Musikern interagiert, zollt mir höchsten Respekt ab. Trotzdem haben mir so kleine Gimmicks, wie im Topos gefehlt, als sie mit einem Schnapsglas (als Slidehilfe) durch den Saal marschierte....

(Text + Bilder von Bluesfan Michaela)

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