Peter Maffay – deutsche Rock-Ikone mit Herz für Kinder

Hat in Köln die "Tabaluga-Möbelkollektion" vorgestellt, die auch den Kindern seiner Stiftung zugute kommen soll.
Hat in Köln die "Tabaluga-Möbelkollektion" vorgestellt, die auch den Kindern seiner Stiftung zugute kommen soll.

Vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, mit Rockmusiker Peter Maffay auf der Internationalen Möbelmesse in Köln über seine Musik zu sprechen. Und – was die Wenigsten wissen – über seine sozialen Hilfsprojekte für benachteiligte Kinder. – Ein sehr authentischer, bescheidener und sympathischer Mensch und Musiker!!!

 

Herr Maffay, wie haben Sie es geschafft, seit über 45 Jahren top im Musik-Business zu sein?

 

Also, das macht man ja nicht alleine. Und weil man es nicht alleine macht, hat man rechts und links, vor und hinter sich Leute, die mit ihrem Talent und ihrer Kompetenz immer bei einem selbst etwas hinterlassen. Und das ist die Motivation, die entsteht, wenn ich mit einem Musiker zusammenspiele, den ich nicht kenne, der aber bereit ist, mir etwas zu schenken. Dann versuche ich, das in ähnlicher Art und Weise zu beantworten und ihm etwas zurückzugeben. Aus dieser Reibung entstehen neue Ansichten, entstehen neue Aufgaben, z.B. wie das aktuelle MTV unplugged –Album. Dies war eine reizvolle neue Dimension.

 

Wir spielen Musik – und wir spielen genau genommen wie im Sandkasten mit anderen Formen. Wir spielen, weil das Spielen einfach Spaß macht. Dies kann alle Konventionen übersteigen, es ist nicht mehr wichtig wie jemand aussieht oder wo er herkommt. Es gibt einen gemeinsamen Nenner und der heißt „Emotion“. Was lässt man dem anderen zukommen, wieviel Platz räumt man ihm ein, wie ergänzen sich Dinge – es ist ein Puzzle aus vielen, vielen Elementen.

 

Also ein Geben und Nehmen?

 

Deshalb ist Musikmachen eigentlich eine schöne Metapher für gesellschaftliches Zusammenleben. Wir hatten vor einigen Jahren mit „Begegnungen“ zwei wunderbare musikalische Projekte, die sehr speziell waren und deshalb kommerziell nicht so erfolgreich. Wir wollten zeigen, wie toll sich verschiedene musikalische und kulturelle Standpunkte ergänzen können und sich ganz und gar nicht im Weg stehen. Eine Symbiose aus zwei sehr unterschiedlichen Polen erzeugt eine neue Dimension!

Vollblutmusiker und Vollblut(-auch)Musiker im Gespräch
Vollblutmusiker und Vollblut(-auch)Musiker im Gespräch

Woher nehmen Sie die Energie, sich neben dem sicherlich anstrengenden Musikerdasein so stark und so lange schon für karitative Dinge – insbesondere für Kinder – zu engagieren“? Die erste „Tabaluga“-Platte stammt schon aus 1983...Wie kam es dazu, einer der „Väter“ von Tabaluga zu werden?

 

Im Grunde genommen führen wir das fort, was andere vor uns schon gemacht haben. Ich hatte einmal eine Begegnung, die mich sehr beeindruckt hat, mit einer Sängerin namens Joan Baez. Eine Kultfigur, die lange Zeit in der Ecke von Bob Dillon angesiedelt war. Sie hatte eine Organisation, die sich „Bread and Roses“ nannte. Sie sammelte bzw. sie gab von jedem Konzert, das sie spielte die Hälfte des Erlöses in diese Organisation, die sich um bedürftige Menschen gekümmert hat. Das hat mich enorm beeindruckt. Und dann habe ich festgestellt, dass es eine ganze Reihe von Leuten um mich herum gab, die ähnlich unterwegs waren. Die ihre Popularität genutzt haben, um über die Popularität zu vernetzen, Synergien zu schaffen zugunsten von anderen, die es brauchen. Dann – nach vielen Gesprächen und vielen Begegnungen – ist auf der Hinterlassenschaft dessen, was Joan Baez gemacht hat, eines Tages die Idee entstanden, etwas Ähnliches zu machen. Es gibt einen Mann, Dr. Jürgen Haerlin, der eine phänomenale Einrichtung in Peißenberg bei Tutzing leitet und mich vor vielen Jahren bat, seine Stiftung Tabaluga-Kinderstiftung nennen zu dürfen und mir die Schirmherrschaft angetragen hat. Er hat mich dann motiviert, auch selber etwas in dieser Art auf die Beine zu stellen. So entstand die Peter-Maffay-Stiftung. Wir sind nach wie vor freundschaftlich verbunden und kooperieren eng miteinander.

 

Und wie kam es schlussendlich zum Entstehen der Figur von „Tabaluga“?

 

Die ist zusammen mit Rolf Zuckowski entstanden. Wir haben festgestellt, dass die gemeinsam entwickelte Figur für die Werte stand, die wir Kindern – vor allem traumatisierten Kindern – vermitteln wollen. Zum Beispiel Respekt. Für jemand der Gewalterfahrung hat, misshandelt wurde, der aus Krisengebieten kommt, die Eltern verloren hat, der am Rande der Gesellschaft lebt ohne eigenes Verschulden. Ein Kind, das keine guten Chancen auf Bildung, Fortbildung und Persönlichkeits-Entwicklung hat und dadurch stark benachteiligt ist, braucht Hilfe.

 

Und die kann ihm nur die Gesellschaft geben. Eine Gesellschaft, die das tut, ist stark. Eine Gesellschaft, die diese Verantwortung verspürt, ist stark. Diese Stärke haben wir in unserer Gesellschaft. Es gibt eine Menge Menschen ohne großen Namen, die ihren Beitrag leisten. Ohne diese Beiträge wäre unsere Gesellschaft nicht menschlich. Dies alles spielte eine Rolle – und dass man über die musikalische Popularität zu diesem Weg finden konnte.

 

Und das hat Sie bewogen, die Peter-Maffay-Stiftung zu gründen bzw. die Schirmherrschaft der „Tabaluga-Kinderstiftung“ zu übernehmen?

 

Ja – und ich bekomme viel dafür zurück. Es ist ein enormes Privileg, das über viele Jahre machen zu dürfen. Es ist so, dass die Stiftung alles mittlerweile überlagert – auch die Musik. Musik ist ein Teil dieses Räderwerks geworden. Wir benutzen zuweilen diese Plattform ganz gezielt, um Mittel für die Kinder zu generieren.

 

Das Helfen macht mir sehr viel Spaß. Ich kann da auch ein anderes Beispiel nennen: Sehr viele Kinder ernähren sich falsch aus Gründen fehlender Erziehung, weil die Zeit nicht da ist oder weil der Aufwand nicht betrieben wird.

 

Wir haben hier eine enorme Fehlentwicklung in unserer Wohlstandsgesellschaft. Wenn man Menschen beim Essen zuschaut, wird man entdecken, wieviel über das Maß hinaus konsumiert wird. Ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen. Das Ende ist fatal und die Fehlentwicklungen sind  manchmal nicht mehr rückgängig zu machen. Deshalb ist es wichtig, Kinder auch zu einer gesunden Ernährung zu erziehen. Ihnen die Hintergründe und Zusammenhänge zu erklären, ist eine schöne Aufgabe.

 

Wir machen das gemeinsam mit unserem Partner EDEKA. In unseren Ferieneinrichtungen für benachteiligte und traumatisierte Kinder, die sehr viel mit Landwirtschaft zu tun haben, ist das ein maßgebliches Ziel. Sport, Musik, Kunst, Ökologie, Leben in der Natur: Das sind alles Dinge, die wir Kindern vermitteln wollen. Wir sind sehr viele unterschiedliche Menschen, die dieses gemeinsame Ziel verfolgen. Aber mit sehr unterschiedlichen Kompetenzen, die wir miteinander vernetzen. Und dann ist es eine Frage der Phantasie, was man aus diesen Bausteinen machen kann.

 

Welche weiteren Pläne gibt es in Sachen „Tabaluga“? Es gibt ja nach der Nummer 1 „Tabaluga oder die Reise zur Vernunft“ vor 35 Jahren bereits insgesamt bald sechs Konzeptalben. Was ist weiter in der Pipeline?

 

Momentan sind wir mit dem neuen Album „MTV unplugged“ sehr beschäftigt und enorm froh darüber, welchen Weg es genommen hat. Es schließt sich eine Tour an, die in einem Monat losgeht. Wenn das im März gelaufen ist, wird unser Stiftungshaus in Dietelhofen fertig sein. Die Kinder werden es beziehen und in Möbeln wie den hier ausgestellten leben. Dann kommt der Sommer, der sicherlich sehr stark durch die Arbeit mit den Kindern bestimmt sein wird. Im Herbst dieses Jahres gibt es dann mit Tabaluga einen neuen Anlauf, den es bisher so noch nicht gegeben hat: nämlich einen animierten Spielfilm fürs Kino. Das wird die nächste Tabaluga-Aktivität sein.

 

Es ist schön, dass es Menschen wie Sie gibt, die sich derartig mit Herzblut engagieren.

 

Ich hatte das Glück, dass ich Rolf Zuckowski über den Weg gelaufen bin. Er hatte in dieser Art viel Erfahrung. Dann gibt es einen dynamischen Autor, den ich seit Jahren kenne, Gregor Rottschalk und mitentscheidend war auch Dr. Haerlin. Wir haben – wenn Sie so wollen – ein klein wenig darüber resümiert, was uns wichtig erscheint und versucht, das in Geschichten zu verpacken, um sie weiterzugeben. Das sind Dinge, die auch andere schon vor uns gemacht haben, aber deswegen sind sie nicht weniger spannend.

 

Man darf sich also – das kommt auch in Ihrem Song „Nessaja“ zum Ausdruck – das Kind im Erwachsenen nicht zerstören lassen, weil sich ohne Phantasie nichts in der Welt bewegt.

 

Erich Kästner hat das sehr schön formuliert: Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch!

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